Kärntner Blondvieh – Generhaltung mit Zukunft

Aktuelle Zahlen, Zuchtarbeit und das ÖPUL-Programm „Erhaltung gefährdeter Nutztierrassen“ standen im Mittelpunkt des Kärntner Blondvieh-Züchtertages. Knapp 30 Teilnehmer nutzten die Veranstaltung zum fachlichen Austausch. Im Anschluss wurde der Zuchtbetrieb der Familie Schober-Gutschi, vlg. Kerschbaumer, in St. Andrä im Lavanttal besichtigt.

Am 11. September fand der diesjährige Kärntner Blondvieh-Züchtertag statt. Vorsitzender Josef Piroutz und Zuchtleiter Ing. Georg Moser führten durch den Züchtertag und informierten über die aktuelle Entwicklung der Rasse, Zuchtarbeit, Vermarktung und Generhaltung.

Positive Entwicklung der Population

Knapp 30 Teilnehmer folgten den aktuellen Informationen rund um Zucht, Vermarktung und Generhaltung beim Kärntner Blondvieh-Züchtertag.

Das Kärntner Blondvieh hat sich in den vergangenen Jahrzehnten von einer beinahe ausgestorbenen Rasse wieder zu einer festen Größe in der heimischen Rinderzucht entwickelt. Österreichweit werden aktuell 125 Zuchtbetriebe geführt, 114 davon befinden sich in Kärnten. Aber auch in der Steiermark, in Tirol, Salzburg und dem Burgenland wird das Kärntner Blondvieh gezüchtet.

Auch die Zahl der Herdebuchkühe entwickelt sich positiv. Mit 1.216 Kühen ist das Kärntner Blondvieh die größte Rasse unter Fleischleistungskontrolle bei caRINDthia. Gerade bei einer kleinen Population ist neben der Anzahl der Tiere die Erhaltung einer möglichst breiten genetischen Basis entscheidend. Gezielte Anpaarung und der Einsatz unterschiedlicher Stierlinien bleiben daher wichtige Bestandteile der Zuchtarbeit.

„Der Zuchtstier ist die halbe Herde“

Eine besondere Bedeutung kommt beim Kärntner Blondvieh dem Natursprungstier zu. Rund 90 % der Belegungen erfolgen im Natursprung. Aktuell stehen 91 Natursprungstiere im Herdebuch. Zusätzlich stehen zehn Besamungsstiere zur Verfügung.

Unter dem Motto „Der Zuchtstier ist die halbe Herde“ wurde beim Züchtertag besonders auf die Auswahl eines passenden Vatertieres hingewiesen. Ein Zuchtstier prägt über mehrere Jahre einen wesentlichen Teil der Nachzucht eines Betriebes. Neben Entwicklung und Exterieur sollen deshalb auch Charakter, leichte Handhabung und Weideeignung bei der Auswahl berücksichtigt werden.

Gerade bei einer Generhaltungsrasse ist außerdem darauf zu achten, unterschiedliche Stierlinien zu nutzen und den Stier rechtzeitig zu wechseln, bevor dessen Töchter zur Belegung anstehen. Eine frühzeitige Planung und gezielte Anpaarung sind somit wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zucht.

Vermarktung bleibt wichtig

Auch die Vermarktung von Zucht- und Nutzrindern wurde beim Züchtertag thematisiert. Die derzeitige Marktsituation ist aufgrund der Futtersituation nicht einfach, weshalb eine gute Zusammenarbeit zwischen Züchtern und Verband besonders wichtig ist. Über die caRINDthia Ab-Hof-Vermittlung können Verkaufs- und Ankaufswünsche gemeldet werden. Dabei soll auch sichergestellt werden, dass gute Zuchttiere als solche vermarktet werden.

Generhaltung als wichtige Grundlage

Ein Schwerpunkt des Züchtertages war das ÖPUL-Programm „Erhaltung gefährdeter Nutztierrassen“. Das Kärntner Blondvieh wird darin als gefährdete Nutztierrasse gefördert und nimmt zusätzlich an einem besonderen Generhaltungsprogramm teil.

Die Prämie stellt für viele Betriebe eine wichtige Unterstützung dar, um die Haltung und züchterische Bearbeitung dieser kleinen Population wirtschaftlich abzusichern. Gleichzeitig sind mit der Förderung auch züchterische Vorgaben verbunden. Leistungskontrolle, Herdebuchführung, gezielte Anpaarung und Abstammungssicherung bilden dabei wesentliche Grundlagen. Auch die SNP-Typisierung hat im besonderen Generhaltungsprogramm an Bedeutung gewonnen und dient vor allem der Abstammungssicherung.

Damit die Förderfähigkeit der Tiere gewährleistet bleibt, ist die Einhaltung der Vorgaben besonders wichtig. Neben der korrekten Anpaarung sind unter anderem die Herdebucheinstufung sowie die erforderliche Abstammungssicherung zu beachten. Die Förderung unterstützt damit nicht nur die Haltung des Kärntner Blondviehs, sondern auch die gezielte züchterische Weiterentwicklung der Rasse.

Zu Gast bei Familie Schober-Gutschi

Zuchtstier „HOBBIT“ (Züchter: Trippolt Wolfgang, St. Andrä) präsentierte sich mit über sieben Jahren in einem hervorragenden Zustand. Mit über 110 Nachkommen prägt er wesentlich die Zucht am Betrieb Schober-Gutschi und ist unter anderem Vater des Besamungsstieres „HAPPY“.

Nach dem theoretischen Teil wurde der Kärntner Blondvieh-Zuchtbetrieb der Familie Schober-Gutschi, vlg. Kerschbaumer, in St. Andrä im Lavanttal besichtigt. Der Betrieb hält 28 Muttertiere und konnte mit guten Ergebnissen aus der Fleischleistungskontrolle überzeugen.

Besonders hervorzuheben ist die Altersstruktur der Herde. Die Kühe waren durchschnittlich 8,9 Jahre alt und 71,4 % der Muttertiere hatten bereits fünf oder mehr Abkalbungen. Auch die Abkalbequote von 86,7 % sowie 100 % leichte bzw. normale Geburten unterstreichen die guten Fitness- und Kalbeeigenschaften der Herde. Damit zeigte sich am Betrieb sehr deutlich die Langlebigkeit und Robustheit des Kärntner Blondviehs.

Für die Züchter ebenfalls interessant war die Besichtigung von HOBBIT und BONGI, Vater und Mutter des Besamungsstieres HAPPY. Der von Karl Schober-Gutschi gezüchtete HAPPY stammt aus dieser Anpaarung. Somit konnten sowohl die Mutter als auch der Vater des Besamungsstieres von den Teilnehmern direkt am Betrieb besichtigt werden.

 

Kärntner Blondvieh weiterentwickeln

Der Züchtertag zeigte einmal mehr, dass Generhaltung mehr bedeutet, als lediglich die Tierzahlen einer seltenen Rasse zu sichern. Eine breite genetische Basis muss erhalten und gleichzeitig auf Fitness, Fruchtbarkeit, Langlebigkeit und rassetypische Eigenschaften selektiert werden.

Das Kärntner Blondvieh bringt mit seiner Robustheit, guten Grundfutterverwertung und Anpassungsfähigkeit wichtige Eigenschaften für die Mutterkuh- und Weidehaltung mit. Engagierte Zuchtbetriebe, konsequente Zuchtarbeit und die Unterstützung durch das Programm „Erhaltung gefährdeter Nutztierrassen“ bilden eine wichtige Grundlage, um diese heimische Rasse langfristig zu erhalten und züchterisch weiterzuentwickeln.

Text und Fotos: Georg Moser